Neuanfang 2


Vor einiger Zeit fragte mich der Macher meiner Homepage, ob ich schon wisse, wie es mit dieser weitergehen soll. Grundsätzlich dachte ich vor einem halben Jahr: Fertig Karriere – fertig Homepage. Das fand ich irgendwie aber auch schade. Viele Freunde, Bekannte und Fans haben meine Karriere über die Jahre mitverfolgt. Vielleicht interessiert es ein paar von Euch auch, wie ich den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt meistere, welche Herausforderungen auf ehemalige Spitzensportler warten und wie ich das sportliche Geschehen weiter verfolge. Aus diesem Grund werde ich hier diesen Winter noch zwei, dreimal etwas schreiben, bevor dann auch meine Website in die sportliche Pension geht.

 

Nachdem ich im Frühling meinen Rücktritt bekannt gab, hielt mich dieser noch einige Zeit auf Trab. Positiv überrascht war ich von den vielen Reaktionen und auch vom grossen Echo in den lokalen Medien. Ich verabschiedete mich von meinen Sponsoren, organisierte zusammen mit meinem Fanclub ein Abschlussfest und erledigte viel administratives. In erster Linie bereitete ich aber meine Zukunft vor. Während meinen letzten Jahren als Skirennfahrer lernte ich Französisch, was ich mit einem monatigen Sprachaufenthalt in Frankreich vertiefen konnte und dann mit einem Sprachdiplom abschloss. Kurz darauf stieg ich beim Gemeindewerk Beckenried wieder in meinen Lehrberuf als Elektroinstallateur ein. Fürs erste wollte ich während sechs Wochen wieder Fuss fassen im Beruf und einiges aus meiner Lehrzeit auffrischen. Parallel dazu beschäftigte ich mich mit meinen beruflichen und schulischen Optionen.
Als meine Zukunft geregelt war, verreiste ich mit meiner Freundin für drei Monate. Schon während meiner Karriere wusste ich, dass ich den Übergang in den neuen Lebensabschnitt für eine Reise nutzen wollte. Zum Einen lebte ich die letzten Jahre oft unter Hochspannung in einem Hochleistungsumfeld. Ich genoss das und es machte mir Spass. Aber bevor ich mich wieder einem Ziel verschreiben sollte, wollte ich nochmals richtig abschalten.

 

Vor drei Wochen kamen wir von unserer Reise zurück. Es war, was wir uns gewünscht hatten und wir genossen diese spannende und schöne Zeit.
Kurz darauf nahm ich die Arbeit als Elektroinstallateur wieder auf und startete eine Woche später die Ausbildung zum Techniker HF Energie und Umwelt an der höheren Fachschule TEKO in Luzern. Während drei Jahren werde ich nun eineinhalb Tage in der Woche zur Schule gehen und vier Tage arbeiten. Ich freue mich sehr auf diese neue Herausforderung und merke schon, dass ich viel von meinem Ehrgeiz auch in die Berufswelt mitnehmen kann. Vorerst arbeite ich weiterhin auf meinem früheren Lehrberuf. Während ich 12 Jahre Ski fuhr, hat sich die Branche weiterentwickelt und es gibt einiges neues zu lernen. Mit 32 Jahren fange ich zwar nicht ganz bei null an aber steige doch wieder unten ein. Als ehemaliger Sportler kann ich wohl den Jungen etwas weitergeben, in erster Linie lerne ich aber nun von ihnen. Das Arbeiten habe ich nicht verlernt und auch das Selbstvertrauen im Beruf steigt mit jeder Woche. Nichtsdestotrotz habe ich noch einigen Aufholbedarf und der Lernfortschritt kann mir manchmal nicht genug schnell gehen. Es ist spannend, wie ich den sportlichen Ehrgeiz in die Berufswelt mitnehmen kann. Dieser hilft mir sehr, wobei ich noch eine gesunde Mischung finden muss.

 

Es gibt auch weiterhin Herausforderungen sportlicher Natur. Zu dem Zeitpunkt an dem ich in vergangenen Jahren am fittesten war, versuche ich nun Zeit zu schaffen, damit ich weiterhin genug Sport treiben kann. Ich habe nicht gleich nach unserer Heimreise den ersten Kraftraum aufgesucht. Aber ich will natürlich fit bleiben, treibe weiterhin gerne Sport und vor allem will ich im Winter auf den Ski wieder schöne Kurven ziehen können. Das geht nur wenn mein Rumpf weiterhin stabil ist und wenn ich nicht schon nach zehn Kurven „blau“ in den Beinen bin. Zudem erlebe ich nun im Sport den Effekt, welchen wohl die meisten Hobbysportler kennen: Eine Stunde joggen an der frischen Luft und die Laune ist für die nächsten paar Stunden gerettet.
Das Slalomfahren vermisse ich aber noch nicht. Klar, nach der Arbeit ein paar coole Schwünge durch die Stangen würde ich gerne mitnehmen ;-). Aber ich kann noch gut ohne. Was mir etwas fehlt ist die Kameradschaft unter Teamkollegen und auch unter den Mitstreitern im Europacup und Weltcup. Zudem wäre jetzt der Moment an dem die Anspannung auf die Saison hin steigt. Dieses Gefühl spürte ich immer gerne.

Die Vorfreude auf den Rennwinter ist jetzt anderer Natur. Vor zwei Wochen fand die GV des Fanclub Kusi/Berni statt. Es war die letzte dieser Art, jetzt heisst der Verein Fanclub Bernhard Niederberger und ich freue mich als Mitglied dessen Berni und meinen ehemaligen Teamkollegen im Winter die Daumen zu drücken.
Ich freue mich auch auf den ersten Schnee und werde wohl bald das erste Mal auf die Piste gehen. Bis dahin geniesse ich den neuen Alltag. Einen Alltag, den ich so noch nicht gekannt hatte und der mir ebenfalls die Möglichkeit gibt mich an täglich neuen Herausforderungen zu messen.

 

 


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